Taras Augen

Darum geht’s:

Alún und Tara sind unzertrennlich. Doch schon ein halbes Jahr bevor ihr Leben endgültig aus den Fugen gehoben wird, verlieren sie sich wegen eines Streites aus den Augen. Ein Unfall in der Fabrik, die gefährlich nahe an ihrem Wohnort steht, nimmt ihnen die Chance sich zu vertragen. Nach der Evakuierung läuft ihr Leben getrennt voneinander weiter. Alúns Familie zieht in eine Großstadt, wo sie sich ein neues Leben aufbauen. 

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Doch Alún ist nicht bereit das Geschehene hinter sich zu lassen. In der Stadt ist es, als hätte die Chemiekatastrophe nie existiert, was nicht alle Menschen hinnehmen wollen. Während Alún durch Street Art eine andere Seite der Stadt kennenlernt, erfährt er immer mehr über das wahre Ausmaß der Katastrophe. Tara hingegen erlebt diese hautnahe. Nachdem sie sich lange in Notunterkünften herumgeschlagen hat, muss sie als eine der ersten in das verseuchte Gebiet zurück und bis auf ein wenig Kopfschmerzen scheint es ihr vorerst nichts anzuhaben. Zwischen verlassenen Straßen und Häusern lebt sie mit alten und neuen Freunden alles aus, was bisher nicht möglich war und holt sich ihr Leben zurück. Dabei geht sie vor allem ihrem alten Hobby nach – schwimmen.

Rezension:

Taras und Alúns Geschichte hat mich beeindruckt, schockiert, glücklich gemacht und traurig. 

Die Geschichte ist rasant, spannend und voller Wendungen. Dabei wird die immer größer werdende Macht großer Konzerne und damit verbundener Machtmissbrauch auch in der Regierung thematisiert.

Ich hatte lange Zeit nicht sicher ob das Buch mich zu sehr niederschmettern würde, doch diese Angst war alles andere als berechtigt! Denn obwohl in „Taras Augen“ von einer kaum vergleichbaren Katastrophe berichtet wird, ist das Buch ein Mutmacher. Alún und Tara leben nach der Explosion in völlig verschiedenen Welten. Sie leben parallel zueinander und machen dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen, rund um dasselbe Thema. Die Beziehung, die sie zueinander haben hat etwas von Seelenverwandtschaft und wahrer Liebe. Und obwohl das Leben sie so oft voneinander weggetrieben hat und sich so viele Menschen zwischen sie gestellt haben, haben sie sich doch immer wieder gefunden. Während der langen Zeit, in der sie kein Wort wechseln, beeinflussen sie sich trotzdem und ohne es aktiv zu wollen immerzu aus der Ferne und sind Gründe für die Handlung des anderen. 

Ich muss sagen, dass es mir nach Alúns Projekt vermutlich schwerfallen wird, meine Maßstäbe an romantischen Gesten wieder herunterzuschrauben.

Mit anderen Worten, „Taras Augen“ ist alles andere als einseitig. Es schreibt über Machtmissbrauch und Umweltkatastrophen, aber auch von tiefer Verbundenheit und Liebe, die gegen alles hält. Augenblicke der Enttäuschung, der Hoffnungslosigkeit und des Schmerzes gehen Hand in Hand mit Momenten der Unbeschwertheit und grenzenlosen Freiheit, welchen des Aufbruchs und des Friedens mit sich und anderen. Hinter „Taras Augen“ steht die Aufforderung Veränderung selbst in die Hand zu nehmen, statt auf Handlungen von oben zu warten.

Dadurch, dass das Buch abwechselnd aus den Perspektiven von Alún und Tara geschrieben ist, erlebt der Leser die Zeit nach und die Folgen der Explosion von zwei ganz unterschiedlichen Seiten. Auf der einen stehen die Rückkehrer in das verseuchte Gebiet, die dort ohne staatliche Hilfe zurechtkommen müssen, auf der anderen das Leben in einer Metropole. Einem Ort an dem tausende Menschen nebeneinander existieren. Einem Ort, wo staatliche Gewalt in die Privatsphäre eindringt und sich trotzdem eine Gruppe aus Menschen herausschält, die dagegen aufbegehrt. Demonstranten suchen im Untergrund nach Informationen, welche von der Öffentlichkeit verborgen bleiben und organisieren große Aktionen, um die Aufmerksamkeit der Medien zu den Opfern der Explosion zu lenken.

 

Tara verliert im Laufe des Buches ihr Augenlicht – eine weitere Folge der Chemiekatastrophe. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, eines morgens aufzuwachen, ohne, dass es hell wird. Doch genau das ist es, was Tara widerfährt. Ihre Mutter, Aino, scheint dabei die einzige zu sein, die sich nicht darauf einstellen kann und macht es Tara schwer sich in dieser Rolle zu finden. Im Gegenzug dazu steht ihr Großvater, mit dem sie und Aino zusammenleben. Er bemüht sich in der Zeit, in der sie aufhört, daran zu glauben ihre Umgebung je wieder richtig wahrnehmen zu können, ihr neue Möglichkeiten zu eröffnen. Mit der Zeit lernt sie auf ihre anderen Sinne zu vertrauen und sich so zurechtzufinden. Für mich war es unglaublich zu sehen, wie Tara anfängt sich damit zu arrangieren. Auch ihre Freunde probieren ihr dabei zur Seite zu stehen, doch bleibt sie nicht der einzige Fall in ihrer Umgebung.

 

„Taras Augen“ ist ein Buch mit Perspektive. Der Blick des Lesers wendet sich großen und kleinen Dingen im Leben zu und dabei werden starke Statements gesetzt. „Taras Augen“ ist eine Empfehlung für jeden, der gerne spannende Dystopien liest und ich empfehle es ab 15 Jahren!

Buch: Taras Augen

Autorin: Katharina Bendixen

Verlag: Mixtvision