Der große Sommer
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Darum geht’s:

Während der erwachsene Friedrich Büchner an einem frühen Herbstmorgen über den Friedhof spaziert, auf der Suche nach einem bestimmten Grab, überkommen ihn die Erinnerungen an den Sommer, der ihn dort hingebracht hat.

Endlich Ferien, doch die Euphorie lässt auf sich warten, denn Frieders Sommeraussichten sind alles andere als zu beneiden. Wegen Nachprüfungen in Mathe und Latein fällt der Familienurlaub zum ersten Mal für ihn aus, und als wäre das nicht Übel genug, muss er auch noch beim Großvater lernen. 

Da lernt er bei einem Freibadbesuch das Mädchen im flaschengrünen Badeanzug kennen, und der Ausblick in der Stadt zu bleiben, scheint ihm wie ein Segen. Zusammen mit ihr, Alma und Johann, verbringt er einen Sommer voller Abenteuer, Freundschaft, Verlust, Trauer, Mut und Liebe, und lernt sich und seine Familie auf eine völlig neue Art und Weise kennen.

 

Rezension:

„Der große Sommer“ von Ewald Arenz ist ein Coming-of-Age Roman, den jeder einmal gelesen haben sollte! Die Geschichte besteht zum größten Teil aus einer Nacherzählung der Hauptperson Frieder über einen längst verjährten Sommer, der sein Leben für immer prägen sollte. Nur ab und zu, so etwa zum Anfang und Ende der Geschichte, werden in kurzen Sätzen die Gedanken des erwachsenen Frieders und der Moment der Erinnerung geschildert. Erst am Ende des Buches setzen sich Informationen wie Puzzlesteine zusammen und geben kleine Hinweise auf das Leben, welches er später führt. Dem Leser wird viel gedanklicher Spielraum über seine Zukunft gelassen. Ich finde es schön der eigenen Fantasie zu überlassen, wohin es Frieder letztlich getrieben hat - so ist das Ende offen, und doch in einen Rahmen gebunden.

Der Großteil der Geschichte spielt in den Achtzigern und ist aus der Ich-Perspektive des 16-jährigen Frieders geschrieben. Abgesehen davon, dass es sich um einen Coming-of-Age Roman handelt, ist die Geschichte an kein Thema gebunden. Zufällig erscheinende Ereignisse weben den Handlungsfaden des Buches. Die Entwicklung der Geschichte wird vor allem aus Reaktionen und Reaktionen auf Reaktionen vorwärtsgetrieben. Das sorgt dafür, dass Handlungsablauf und -richtung unvorhersehbar sind und sich das Buch wie ein Leben lesen lässt.

 

Im Buch erscheinen Zeit und Raum relativ, anpassbar und dehnbar. Obwohl sich die Geschichte des Sommers nur über sechs Wochen erstreckt, passieren in dieser Zeit die verschiedensten Momente. Frieder und seine Freunde durchleben Höhen und Tiefen und überschreiten die Schwelle zwischen Kind- und Erwachsensein. Dabei gibt es Tage, in denen sich die Welt kurzzeitig komplett auf den Kopf stellt und wiederum mehrere Tage ohne gewichtige Augenblicke. Dennoch passt es immer genau. Die Geschichte ist weder langatmig noch vollgestopft. Eine Stunde ist nicht eine Stunde, und Tage strecken sich verschieden.

 

Der Schreibstil ist schlicht gehalten, hat aber hohe detailtiefe in der Beschreibung bestimmter Augenblicke, die sie hervorheben und ihnen Wert zuschreiben. Frieders Gedanken sind direkt formuliert und das Buch hinterlässt den Leser mit einer ehrlichen und hautnahen erlebten Geschichte.

 

„Der große Sommer“ ist eine wunderbare Sommerlektüre für alt und jung ab 14 Jahren und ich gebe dem Buch  ✶ ✶ ✶ ✶  Sterne!

Autor: Ewald Arena

Buch: Der große Sommer

Verlag: Dumont